Musikverein Kyllburg

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Musikverein der Kurstadt Kyllburg 1922 e.V.
(MVK)
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Zweck: Förderung der Blasmusik auf einer breiten Grundlage und der Pflege des damit verbundenen heimatlichen Brauchtums.
Vereinsfarben: Rot und Weiß
Vorsitz: Daniela Schliebs (1. Vorsitzende)
Andreas Schneider (2. Vorsitzender)
Gründungsdatum: 26. Dezember 1922
Mitgliederzahl: ca. 150
Sitz: Kyllburg
Website: www.mv-kyllburg.de
Gesamtorchester des Musikvereins Kyllburg im Jahre 2016

Der Musikverein Kyllburg ist ein Blasorchester der Mittelstufe mit 33 (Stand Januar 2016) aktiven Musikern. Neben dem klassischen Repertoire mit Marsch und Polka, beherrscht das Orchester eine große Bandbreite zeitgenössischer Blasmusik. Das Orchester steht unter der Leitung von Peter Schneider.

Der Musikverein Kyllburg kann auf eine recht bewegte Geschichte zurückblicken. Mehrmals stand der Verein vor dem Aus; sei es nun aufgrund finanzieller Probleme oder durch interne Querelen. Jedoch schafften es engagierte Mitglieder immer wieder, eine Auflösung abzuwenden, und so das Weiterbestehen des Vereins zu sichern. Wie kein anderer Verein prägt der Musikverein durch sein zahlreiches Auftreten das öffentliche Leben in der Kurstadt Kyllburg. So spielt er in der Karnevalszeit, am 11.11., an den Kappensitzungen, an Weiberdonnerstag, am Karnevalsumzug und bei der Verbrennung der Foasicht, bei kirchlichen Veranstaltungen, am Weißen Sonntag, Fronleichnam, an St. Martin und in der Christmette, am Volkstrauertag beim Kriegerdenkmal, an der Kirmes, beim Weihnachtsmarkt, an eigenen Veranstaltungen, Konzertabend im Januar, am 1. Mai, beim Oktoberfest, beim traditionellen Weihnachtsspielen sowie bei besonderen Jubiläen, wie zum Beispiel Goldene und Diamantene Hochzeiten.

Vorstände seit 1922

Die Liste ist unvollständig und wird nach und nach ergänzt.

Jahr 1. Vorsitzender 2. Vorsitzender Schriftführer Kassierer Dirigent Beisitzer Beisitzer Beisitzer
1922 * Albert Wirth Peter Rütt Anton Uhrmacher Baptist Daus Albert Wirth Albert Wirth Kaspar Klaes Robert Erasmy
1924 Johann Metzen - Johann Metzen Jakob Krämer Karl Friedrichs - - -
1929 Johann Metzen - Johann Metzen Jakob Krämer Jakob Krämer - - -
1934 Johann Metzen - Johann Metzen Johann Metzen Hein Wißmann Peter Kapeller - -
1938 Johann Metzen - Johann Metzen Johann Metzen Jakob Pelzer ? - -
1949 Johann Metzen ? Johann Metzen Johann Metzen Hein Wißmann ? ? ?
1950 Peter Vallerius Hans Henrichs Peter Kapeller Peter Kapeller Hein Wißmann ? ? ?
1951 Hubert Marquet Karl Friedrichs Peter Kapeller Peter Kapeller Hein Wißmann Anton Boltz Valentin Kapeller Willi Kapeller
1952 Mathias Schon Karl Friedrichs Peter Kapeller Peter Kapeller Hein Wißmann Anton Boltz Valentin Kapeller Willi Kapeller
1954 Richard Allmann Hein Wißmann Johann Lua Johann Lua Hein Wißmann ? Nikolaus Polch Willi Kapeller
1964 Richard Allmann Rudi Kapeller Rudi Kapeller Otto Radespiel Hein Wißmann Benni Bores Friedel Mathey Willi Weber
1965 Johann Metzen Rudi Kapeller Rudi Kapeller Albert Blum Hein Wißmann Benni Bores Otto Radespiel Willi Weber
Jahr 1. Vorsitzender 2. Vorsitzender Schriftführer Kassierer Dirigent Jugendleiter Notenwart Zeugwart Beisitzer
1968 Johann Metzen Benni Bores Johann Metzen Willi Kapeller II Hein Wißmann Willi Weber Karlheinz Blum Theo Kronibus Rudi Kapeller
1971 Matthias Kronibus Benni Bores Johann Metzen Johann Metzen Hein Wißmann Peter Herbertz Rainer Drengk Theo Kronibus -
1973 Matthias Kronibus Benni Bores Johann Metzen Hubert Drengk Hein Wißmann Josef Wißmann Wolfgang Krämer Theo Kronibus Josef Matschl II
1974 Dr. H. G. Hartmann Benni Bores Johann Metzen Hubert Drengk Hein Wißmann Josef Wißmann Günther Schmitt Theo Kronibus Heiner Ostermann
1976 Karl-Ernst Christmann Benni Bores Johann Metzen Hubert Drengk Hein Wißmann Josef Wißmann Günther Schmitt Theo Kronibus Heiner Ostermann
1979 Karl-Ernst Christmann Benni Bores Friedel Mathey Heiner Ostermann Josef Wißmann Alfred Ostermann Manfred Niederprüm Josef Wißmann Jörg Marxen
1981 Karl-Ernst Christmann Benni Bores Friedel Mathey Heiner Ostermann Josef Wißmann Alfred Ostermann Christian Pauly Friedel Mathey Kurt Feinen
1983 Karl-Ernst Christmann Benni Bores Hubert Drengk Heiner Ostermann Josef Wißmann ? ? ? ?
1985 Karl-Ernst Christmann Benni Bores Hubert Drengk Heiner Ostermann Josef Wißmann ? ? ? ?
1987 Karl-Ernst Christmann Hubert Drengk Rainer Drengk Heiner Ostermann Josef Wißmann ? Klaus Krämer ? ?
1989 Karl-Ernst Christmann Josef Wißmann Wolfgang Atzhorn Heiner Ostermann Josef Wißmann Heike Brück Klaus Krämer Hubert Drengk Benni Bores
1990 Karl-Ernst Christmann Josef Wißmann Wolfgang Atzhorn Heiner Ostermann Josef Wißmann Christian Zimmer Klaus Krämer Hubert Drengk Benni Bores
1991 Karl-Ernst Christmann Alfred Ostermann Wolfgang Atzhorn Heiner Ostermann Josef Wißmann Christian Pauly Klaus Krämer Stefan Gorges Benni Bores
1993 Karl-Ernst Christmann Alfred Ostermann Wolfgang Atzhorn Christian Pauly Josef Wißmann Christian Pauly Tanja Pflüger Stefan Gorges Stefan Krämer
1994 Karl-Ernst Christmann Alfred Ostermann Wolfgang Atzhorn Jürgen Colell Knut Lano Christian Pauly Tanja Pflüger Stefan Gorges Stefan Krämer
1995 kein 1. Vorsitzender Stefan Krämer Wolfgang Atzhorn Jürgen Colell Knut Lano Ilona Ostermann Christian Schmidt Stefan Gorges Josef Matschl
1996 Wolfgang Bujara Stefan Krämer Wolfgang Atzhorn Jürgen Colell Knut Lano Ilona Ostermann Christian Schmidt Stefan Gorges Josef Matschl
1997 Wolfgang Bujara Ilona Drengk Tanja Pflüger Jürgen Colell Knut Lano Ilona Ostermann Anke Weides Stefan Gorges Christian Schmidt
1998 Wolfgang Bujara Rainer Drengk Tanja Pflüger Jürgen Colell Knut Lano Judit Becker Anke Weides Stefan Gorges Stefan Krämer
2001 Jürgen Weides Rainer Drengk Ilona Drengk Jürgen Colell Rainer Drengk Anke Krämer Simone Carben Stefan Gorges Stefan Krämer, André Freres
2002 Werner Bungert Stefan Krämer Ilona Drengk Margit Keil Stefan Gorges Anke Krämer Simone Carben André Freres Christian Schmidt
2005 Werner Bungert Stefan Krämer Ilona Drengk Klaus Krämer Stefan Gorges Anke Krämer Stephanie Weides Stefan Schneider Alexander Felz
2009 Werner Bungert Stefan Krämer Anke Krämer Andrea Marxen Stefan Gorges Marion Weides Ellen Schiffmann/Katharina Kohl Christoph Rebellius Stephanie Weides
2011 Werner Bungert Stefan Krämer Daniela Schliebs Andrea Marxen Stefan Gorges Marion Weides Ellen Schiffmann/Katharina Kohl Christoph Rebellius Andreas Schneider
2012 Werner Bungert Stefan Krämer Daniela Schliebs Andrea Marxen Stefan Gorges/Anton Andren Marion Weides Alexander Felz/Theresa Daun Christoph Rebellius Andreas Schneider
Jahr 1. Vorsitzender 2. Vorsitzender Schriftführer Kassierer Dirigent Jugendleiter Notenwart Beisitzer
2013 Christoph Rebellius Daniela Schliebs Peter Schneider Andrea Marxen Anton Andren/Stefan Gorges Sandra Keil Katharina Kohl Stefan Gorges
2014 Christoph Rebellius Stefanie Pflüger Christoph Rebellius Andrea Marxen Stefan Gorges/Peter Schneider Sandra Keil Katharina Kohl Stefan Gorges
2015 Christoph Rebellius Stefanie Pflüger Richard Mathey Andrea Marxen Peter Schneider Sandra Keil Alexander Felz Christopher Kreyling
2016 Christoph Rebellius Daniela Schliebs Janina Reißen Andrea Marxen Peter Schneider Stephanie Pflüger Alexander Felz Christopher Kreyling
2017 Daniela Schliebs Andreas Schneider Janina Reißen Andrea Marxen Peter Schneider Stephanie Pflüger Alexander Felz Margit Weides

Geschichte

1880-1918

Musik hat seit jeher eine lange Tradition in Kyllburg. Angefangen bei den frommen Chorälen der Stiftsherren im Mittelalter, über die Militärmusikkapellen in der Zeit der französischen Revolution, bis hin zur Gründung eines ersten Musikvereins in Kyllburg Ende des 19. Jahrhunderts. Einen Beleg für die Existenz von Blasmusikern findet sich in einer Anzeige im „Bitburger Kreis- und Intelligenzblatt“, Ausgabe Nr.18–1880, Dienstag, 2. März:

Ein neues Tenorhorn und zwei noch gute B-Trompeten billig zu verkaufen. Näheres bei J. Dorn (?) in Kyllburg.

Der neue Verein erfährt im Laufe der Jahre eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung. So spielt dieser Verein auch zur Begrüßung des Deutschen Kaisers Wilhelm II. mit einer Fanfarenabordnung von der Galerie der Mariensäule im Oktober 1911 in Kyllburg.

Der Erste Weltkrieg 1914/18 bringt dem Verein jedoch den völligen Zerfall und den Verlust sämtlicher Musikinstrumente.

1922-1941 Die Gründung

Nur wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg bildet sich aus dem katholischen Jünglings- und Jungmannenverein Kyllburg der heutige Musikverein. Die Neugründung des Vereins findet im Jahre 1922 statt. Anlass hierzu ist ein Theaterabend des Jünglingsvereins, am 26. Dezember 1922, an dem die Pausen zwischen den nötigen Umbauten mit Blasmusik überbrückt werden. Dirigiert werden die Musiker vom Präses des Jünglingsvereins Pastor Albert Wirth. Schon bald beginnt die Musikkapelle ein eigenständiges Leben zu führen und spaltet sich vom Jünglingsverein ab.

Zur Aufgabe setzt sich der Musikverein die Pflege und Förderung der Musik in der Gemeinde Kyllburg, die Mitwirkung bei kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen. Der Bewältigung dieser Aufgabe – wenn sie auch oft in Frage gestellt wurde – ist der Verein stets treu geblieben. Die opferfreudige Mithilfe vieler Musikliebhaber aus der Bevölkerung verhilft dem Verein zu Stärke und hohen Leistungen. Die Teilnahme an vielen Musikwettkämpfen, unter anderem in Bitburg, Bernkastel, Ruwer und Wasserliesch, bringen dem Verein auch außerhalb seines Heimatortes Anerkennung seiner Leistungen durch Auszeichnungen und Preise. Der Verein vergrößert schon bald seine Mitgliederzahl, schafft es im 20. Jahrhundert nie auf mehr als 31 Musiker. In allen Jahren stand stets die Freude an der Musik im Vordergrund.

Eiskonzert 1929 auf der zugefrorenen Kyll

In den Anfangsjahren beschränken sich die Musiker auf das Spielen von Märschen, Polkas und Unterhaltungswalzern. Die Besetzung besteht aus Flügelhörner, Tenorhörner, Baritonen, einem Es-Baß und einer großen Trommel mit Becken. Das erste Foto, das den Musikverein Kyllburg zeigt, stammt aus dem Jahre 1929. Die damals völlig zu gefrorene Kyll nehmen Kyllburgs Bürger zum Anlaß, ein großes Fest zu feiern. Der Musikverein gibt unter der Leitung seines Dirigenten Jakob Krämer auf der dick zugeeisten Kyll sein legendäres Eiskonzert. In den folgenden Jahren spielen die Musiker unter anderem anlässlich der Theaterveranstaltungen des Jünglingsvereins, zu Fronleichnam, beim Viehwettstreit auf dem Marktplatz und am Kreiskriegerbezirksfest.

Im Jahre 1933 bricht ein dunkles Kapitel Deutscher Geschichte an. Die Nationalsozialisten übernehmen in Deutschland die Macht. Der aufkommenden, verstärkten Bürokratie verdanken wir, dass sich aus dieser Zeit vermehrt Aufzeichnungen über das Vereinsgeschehen finden lassen.

Am 26.05.1933 sind folgende vereinseigene Instrumente vorhanden:

  • 4 Trompeten in B
  • 2 Flügelhörner in B
  • 2 Tenorhörner in B
  • 3 Althörner in Es
  • 1 Klarinette in B
  • 1 Bariton in B
  • 1 Tuba in Es
  • 1 Helikon in B
  • 1 kleine Konzerttrommel
  • 1 dicke Trommel mit Becken (geschenkt am 03.07.1932 von der Freiwilligen Feuerwehr Kyllburg)
  • 1 Schellenbaum mit Tragriemen
  • 1 Triangel

Bis zum Jahre 1934 erhöht der Verein seine Mitgliederzahl auf 17 Mann:

Martin Wanken (Klarinette)
Heinrich Wißmann (Trompete)
Wilhelm Kapeller (Trompete)
Matthias Silvanus (Trompete)
Nikolaus Polch (Trompete)
Theodor Polch (Trompete)
Johann Bores (Es-Corno)
Theodor Kapeller (Es-Corno)
Peter Kapeller (Tenorhorn)
Nikolaus Iserlohn (Tenorhorn)
Karl Mathey (Tenorhorn)
Valentin Kapeller (B-Bass)
Johann Metzen (Bariton)
Peter Brantzen (Es-Bass)
Ferdinand Lano (?)
Josef Lano (?)
Simon Mäling (?)

Im gleichen Jahr findet im Ruwer ein Wertungsspielen statt, an dem der Musikverein mit überragendem Erfolg teilnimmt. Besonders beeindruckt zeigen sich die Wertungsrichter von der Tatsache, dass der Verein ohne Dirigent spielt.


Die NS-Freizeitorganisation K.d.F. bringt im Laufe der Jahre viele Kurgäste in das beschauliche Eifelörtchen Kyllburg. Das Motto lautet Naherholung, und viele Gäste aus den Großstädten folgen dem Ruf nach reiner Luft, ruhiger Landschaft und Gemütlichkeit. Die ersten Urlauber treffen am 7. Mai 1936 am Bahnhof ein, und der Musikverein begrüßt die von nun an in regelmäßigen Abständen mit Zügen eintreffenden neuen Gäste mit zünftiger Marschmusik und Polkas. In den Sommermonaten ’36 veranstaltet der Musikverein insgesamt sieben solcher Konzerte und bekommt dafür die Summe von 108,– RM.

1. Bezirksmusikfest in Ralingen am 19. Juli 1936


Ohne Fleiß kein Preis – das wissen auch die Musiker des Kyllburger Musikvereins. Deshalb proben sie jeden Samstagabend im Vereinslokal Lorig am Marktplatz. Der Dirigent Josef Pelzer aus Eisenschmitt leitet, sooft es ihm möglich ist, die Probe und erhält hierfür jedes mal 4,50 RM – soweit es die Vereinskasse erlaubt.

Die Hitlerherrschaft und der drohende Krieg schaden dem Verein sehr. Viele werden zum Reichsarbeitsdienst oder zur Armee eingezogen. Auch finanziell steht es sehr schlecht um den Verein. Alle Hoffnung liegt auf der Erteilung der Zusage zur Durchführung des 3. Bezirksmusikfestes in Kyllburg. Doch die Zusage bleibt aus.

Der aus dem Fest zu erzielende Gewinn hätte die prekäre Finanzlage des Vereins beseitigen können, denn die laufenden Kosten zur Reparatur alter und Anschaffung neuer Instrumente können nicht mehr getragen werden. Da es scheinbar keinen anderen Ausweg gibt, beschließt der Vorstand im Gasthaus Lorig am 15. November 1937 die sofortige Auflösung des Vereins.

Bevor es zur völligen Vereinsauflösung kommt, erteilt die Fachschaft “Volksmusik” in der Reichsmusikkammer die Genehmigung, dass der Musikverein Kyllburg nun doch im kommenden Jahr das 3. Bezirksmusikfest ausrichten solle. Also raufen sich alle wieder zusammen. Eine Auflösung kann so noch einmal abgewandt werden.

Das 3. Bezirksmusikfest der Fachschaft “Volksmusik” in der Reichsmusikkammer findet am 16./17. Juli 1938 in Kyllburg statt. Bevölkerung und Verein haben alles aufgeboten, um dem Fest einen würdigen und schönen Rahmen zu geben. Straßen und Häuser tragen Flaggenschmuck, und auf dem Marktplatz ist ein geräumiges Zelt aufgebaut. Es werden viele Besucher erwartet. Der Musikverein und seine freiwilligen Helfer sind für einen großen Gästeansturm gerüstet. Die Eröffnungsfeier am Samstagabend steht unter dem Leitgedanken: Romantische Eifel, des Rheinlandes Zier. Neben einigen Reden, vorgetragen von den verschiedensten Parteigenossen, wurde auch Musik gemacht. Der Zitterverein Konz-Karthaus, der 1. Handharmonikerclub Trier, der Männergesangverein Kyllburg und die Junggruppe der NS-Frauenschaft bringen dem erwartungsfrohen Publikum ihr Bestes dar. Am Vormittag des Sonntags findet beim Kriegerdenkmal eine Helden­ehrung statt. Gegen Mittag strömen von allen Seiten die Festteilnehmer herbei. Um 14.00 Uhr formiert sich der Festzug zum Umzug durch die feierlich geschmückte Stadt, bei dem außer den Gesangsvereinen auch 12 Musikkapellen teilnehmen. Das nachfolgende Konzert wird durch den Badenweiler Marsch eröffnet, vorgetragen von mehr als 200 Bläsern unter der Leitung des Dirigenten des MV Kyllburg, Josef Pelzer aus Eisenschmitt. Da das Zelt nicht alle Besucher fassen kann, werden Lautsprecher aufgestellt, um die musikalischen Darbietungen nach draußen zu übertragen. Bevor Bezirksleiter Hammes die Leute begrüßt, trägt ein Hitlerjunge einen Prolog, verfasst von dem Heimatdichter Bernhard Quirin, vor:

Wir grüßen die Gäste frisch-fröhliche Schar,
Mit kräftigem Eifler Willkommen;
Bald locken die Töne einladen und klar
Den Freunden zu Nutzen und Frommen.
In festem Verbande nach kerndeutscher Art
Frau Musika dankbar zu Preisen,
Nach des Führers Wille geeint und geschart
Das möge das Fest heut’ beweisen.

Er räumte hinweg, was völkisch nicht war,
Er ehrt nur die Kunst, die uns eigen;
Wir sollen das Können, der Zweck der ist klar
Im Wertungsspielen beweisen.
Es sei uns ein Ansporn zu künftigem Tun
Im lockenden Reiche der Töne,
Auf daß es, so streben wir ohne zu ruh’n,
Den Andern das Leben verschöne.

Noch einmal willkommen, und hebet die Hand,
Ein schmetternder Gruß sei gesendet
Dem Führer dort oben im Großdeutschen Land,
Der unsre Zersplittrung beendet.
(Die folgenden vier Zeilen sind leider nicht mehr zu entziffern.)
Bernhard Quirin

Danach folgt ein bunter Reigen erstklassiger Beiträge, eingeleitet vom gemischten Chor Dudeldorf, die den “Wach-auf-Chor” von Richard Wagner darbringen. Im Anschluss an die Musikdarbietungen beginnt im Zelt der gemütliche Teil mit Tanz. Es ist ein rundum gelungenes Fest, zu dem mehrere hundert Leute erscheinen. Es wird ein musikalisches Programm der Spitzenklasse geboten. Insgesamt werden 1545 Liter Bier ausgeschenkt.

Die Kosten für das Fest belaufen sich auf 2435,85 RM bei einer Gesamteinnahme von 3146,95 RM. So können als Reinerlös 711,10 RM auf das Konto des Musikvereins gebucht werden. Dieser Betrag deckt die Schulden des Vereins. Für den restlichen Betrag schafft sich der Musikverein zwei neue B-Trompeten an.

Der Zweite Weltkrieg beginnt am 1. September 1939 um 4.45 Uhr mit dem Angriff auf Polen. Das ist auch der Zeitpunkt, ab dem der Verein bis zum Ende des Krieges nicht mehr tätig ist.

1945-1964

Am 8. Mai 1945 endet der 2. Weltkrieg, ein Krieg, der alles bisher da gewesene an Schrecken übertraf. 55 Millionen Tote, zerstörte Städte, verwüstete Gegenden. Hitlers propagiertes 1000jähriges Reich hielt lediglich 12 Jahre und hinterließ nur Leid und Elend. Unter den Toten, die der Krieg kostete, sind auch vier Musiker des Musikverein Kyllburg zu beklagen:

  • Theodor Polch * 1920 † 1943
  • Nikolaus Iserlohn * 1909 † 1943
  • Peter Brantzen * 1909 † 1945
  • Ferdinand Lano * 1906 † 1945

Kurz nach Kriegsende trifft sich eine kleine Gruppe Musiker, um kirchlichen Veranstaltungen einen festlichen Rahmen zu geben. Diese Auftritte künden schon vom späteren Aufleben des Vereins. Wiederbelebung nach dem Krieg

Erst vier Jahre nach Kriegsende nimmt der Verein offiziell seine Tätigkeit wieder auf.

Das Vereinsguthaben von 124,40 Reichsmark wird 1948 umgetauscht. Der Umtausch erfolgt 10:1, so bleiben dem Verein noch rund 12,– DM. Mit diesem Kassenbestand stellt sich der Verein den neuen Bedingungen in einem neuen Land.

1950 bilden folgende Musiker den Verein:

  • Heinrich Wißmann
  • Willi Kapeller
  • Nikolaus Polch
  • Anton Krämer
  • Valentin Kapeller
  • Wilhelm Kapeller
  • Johann Bores
  • Peter Kapeller
  • Rudolf Kapeller
  • Heinz Wißmann

Erfreulicherweise stellt sich schon bald eine Anzahl von Jugendlichen dem Verein zur Verfügung, um sich zu guten Musikern heranbilden zu lassen. Die Ausbildung erfolgt durch Dirigent Heinrich Wißmann und “Altmeister” Nikolaus Polch. Das Vereinsvermögen wird durch Anschaffung von Instrumenten und Noten erweitert.

Der Musikverein wird ein eingetragener Verein

Im 18. Juni 1952 beschließt der Vorstand, sich ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Zu diesem Zweck wird eine neue Satzung aufgestellt und die alten Statuten vom 10. November 1929 außer Kraft gesetzt. Darin wird der Zweck des Vereins deutlich herausgestellt: Die Pflege und Förderung der Musik in der Gemeinde Kyllburg und die Mitwirkung bei kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen. §8 regelt die Strafen, die ein Mitglied für unentschuldigtes Fehlen zu erwarten hat: Wer unentschuldigt bei einer Probe fehlt, zahlt 0,50 DM an die Vereinskasse. Wer bei einer Veranstaltung unentschuldigt fehlt, zahlt 3,– DM. Wer öfter als dreimal unentschuldigt fehlt, beweist Interesselosigkeit und wird als Mitglied ausgeschlossen. Der Mitgliedsbeitrag für inaktive Mitglieder wird auf 3,– DM festgelegt. Die Proben finden während der Wintermonate (01. Oktober bis 01. März) wöchentlich zweimal und während der Sommermonate (01. März bis 01. Oktober) je nach Bedarf statt. Der Vorstand wird für die Dauer von einem Jahr gewählt. Er besteht aus dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter, dem Dirigenten, dem Instrumenten- und Notenverwalter, dem Schriftführer, dem Kassierer und zwei Beisitzern. Unterzeichnet ist die Satzung von den Vorstandsmitgliedern:

  • Mathias Schon
  • Karl Friedrichs
  • Heinrich Wißmann
  • Peter Kapeller
  • Valentin Kapeller
  • Wilhelm Kapeller
  • Anton Boltz

30 Jahre MVK

Im folgenden Jahr begeht der Musikverein sein 30-jähriges Bestehen. Im Rahmen der traditionellen Kyllburger Sommerkirmes soll es in der Form eines großen Musik- und Volksfestes gefeiert werden. Ein großes Festzelt wird auf dem Marktplatz aufgebaut, und Schausteller kommen mit ihren Buden. Etwa 20 Gastvereine kommen zum großen Festzug durch die feierlich geschmückten Straßen Kyllburgs. Als besondere Gäste erscheinen die Bergmannskapellen aus Elm und Schwarzenholz (Saar) und die amerikanische Luftwaffenkapelle vom Flugplatz Bitburg. Des weiteren treten der Musikverein Malberg, die Tanz- und Trachtengruppe Kyllburg, der Kirchenchor Kyllburg, die Männerquartette Kyllburg und Malberg und der MGV “Kyllecho” Erdorf auf.

Neuer alter Vorsitzender

Am 10. August 1964 legt Richard Allmann nach 10 Jahren sein Amt als 1. Vorsitzender des Musikverein Kyllburg aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen nieder. In der Mitgliederversammlung am 15. Januar 1965 im Gasthaus Zur Pinn wird der ehemalige Vorsitzende Johann Metzen mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden gewählt. Dieser steht dem Verein nach seiner Rückkehr nach Kyllburg nun wieder zur Verfügung. Er erreicht es, daß von nun an die Vereinsunterlagen wesentlich sorgfältiger geführt werden, und somit eine Rekonstruktion der Vereinsgeschichte wesentlich leichter fällt.

1965-1970

40 Jahre MVK

Sein 40-jähriges Bestehen begeht der Musikverein, um drei Jahre verspätet, vom 10.–12. Juli 1965. Wie auch in den Jahren zuvor bietet der Verein wieder alles auf. So steht ein Zelt auf dem Marktplatz, und viele Vereine haben ihr Kommen zugesagt. Bedauerlich für die Kyllburger Musiker ist jedoch, dass zur gleichen Zeit in Bitburg das 1250-jährige Bestehen der Stadt Bitburg gefeiert wird und somit einige Musikvereine nicht zu den Festlichkeiten in Kyllburg erscheinen können. Dennoch gelingt es, ein schönes Fest auf die Beine zu stellen, das alle sehr zufriedenstellt.

Uniformen für die Musiker

Einen lang gehegten Wunsch erfüllen sich die Musiker im Jahre 1966. Zum ersten Male in der 44-jährigen Geschichte des Musikvereins bekommen die Musiker eine Uniform. So mancher Spötter sagt heute, die Uniformen sahen aus wie “SS-Uniformen”, es war jedoch die für damalige Zeit durchaus übliche Uniform einer Musikkapelle. Den Auftrag zur Anfertigung der Uniformen erhält die Firma Franz Fiedler aus Trier. Die Kosten belaufen sich auf rund 200,– DM pro Uniform. Sie besteht aus einer Schirmmütze mit Silberkordel und einem Knopf in Lyraform, einem Einreiherjackett mit drei Silberknöpfen, einem Kragenspiegel mit einer Lyra und dem Kyllburger Stadtwappen auf dem linken Ärmel, einer Krawatte, sowie einer Hose mit weißer Bluse. Die gesamte Uniform ist dunkelblau.

Nicht nur diese neuen Uniformen kann der Musikverein von nun an sein Eigen nennen. Zusätzlich werden Karnevalskostüme für die Fastnachtsauftritte angeschafft. Die Kosten für diese Uniformen werden zum Teil von der KKG übernommen. Die Uniformen bestehen aus einer roten Weste und Schärpe und einer rot-weißen Mütze. Dazu kommen schwarze Hose und Schuhe, ein weißes Hemd und ein schwarzer Schlips.

1971-1975

Dirigentenausbildung

Stets bemüht zeigt sich der Musikverein im Bereich der Musikerausbildung; sei es nun mit Hilfe der Kreismusikschule oder durch eigene Musiker. Weiterbildungen und Lehrgänge werden durch den Verein finanziert, um eine optimale Ausbildung der Musiker zu gewährleisten. Da der Musikverein nur über einen Dirigenten verfügt, und dieser diesen Posten auch nicht ewig inne halten kann, erklären sich Josef Wißmann und Peter Herbertz bereit, die Dirigentenprüfung in Angriff zu nehmen, um somit die Nachfolge von Heinrich Wißmann antreten zu können. In einem 14-Tage-Lehrgang wird der Grundstein zum Diplomdirigenten gelegt. Nach diesem Lehrgang könnten sich die beiden “Diplom-Jugendleiter” nennen. Dieser Titel berechtigt, Jungmusiker auszubilden und Jugendkapellen zu leiten. Nach erfolgreichem Abschluss von zwei weiteren Lehrgängen ist man dann Diplomdirigent.

Dass die Nachwuchsförderung des Vereins vorbildlich ist, beweist sich im gleichen Jahr, als die Jugendlichen des Vereins beim Kreis-Jugendmusikwettbewerb einen 1. Preis erringen.

50 Jahre MVK

Sein 50-jähriges Bestehen begeht der Musikverein im kleinen Rahmen, bei einem Familienabend im Hotel Wehrbüsch am 11. Dezember 1971. Im Rahmen dieses gemütlichen Abends wird der Mitbegründer und langjährige 1. Vorsitzenden Johann Metzen zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Das ist die höchste Auszeichnung, die der Musikverein zu vergeben hat.

1976-1994

Im Jahre 1976 bricht für den Musikverein eine neue Ära an. Der Rektor der Hauptschule Kyllburg, Karl-Ernst Christmann, übernimmt der Vorsitzüber den Verein. Er wird ihn die folgenden 18 Jahre leiten. Beim Musikverein Dudeldorf hat Herr Christmann zuvor schon Erfahrungen als 1. Vorsitzender gesammelt. Unter seiner Führung werden im Jahre 1980 neue Uniformen angeschafft und die Gesamtzahl der Musiker im Jahre 1989 auf einen damaligen Höchststand von 31 aktiven Mitgliedern gebracht.

Neue Uniformen

Zum zweiten Mal nach 1966 bekommen die Kyllburger Musiker im Jahre 1979 neue Uniformen. Die erste Gelegenheit, diese öffentlich zu tragen, ergibt sich beim Konzert- und Unterhaltungsabend des Jahres 1980, zu dem der Musikverein Kyllburg ins Gasthaus Zur Pinn eingeladen hat.

seit 1996

Ehrungen beim Konzertabend 1996

Beim Konzertabend 1996 werden langjährige, verdiente Mitglieder geehrt. So erhalten die ehemaligen aktiven Mitglieder Jakob Görgen, Benni Bores, Josef Wißmann und der ehemalige 1. Vorsitzende Karl-Ernst Christmann eine seltene Auszeichnung die zuvor nur an wenige verdiente Mitglieder vergeben wurde, die Ehrenmitgliedschaft.

Josef Wißmann, von 1949 bis 1994 aktives Mitglied im Musikverein, hatte den Verein seit Mitte der 70er Jahre bis zu seinem Ausscheiden musikalisch geleitet.

Jakob Görgen und Benni Bores gehörten dem Verein seit 1956 an. Benni Bores war von seinen 37 aktiven Jahren allein 28 Jahre im Vorstand, davon 18 Jahre als 2. Vorsitzender.

Neuer Vorsitzender 1996

Nachdem Karl-Ernst Christmann nach 18 Jahren als erster Vorsitzender im Jahre 1994 sein Amt niederlegt hat, hat der Verein die schwere Aufgabe, einen neuen Vorsitzenden zu finden. Es sind nicht zuletzt die hohen Anforderungen, die an einen Vorsitzenden gestellt werden, die es schwer machen, einen Mann oder eine Frau zu finden, welche diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen möchte. Ein ganzes Jahr dauert es, dann ist er gefunden: der neue erste Vorsitzende Wolfgang Bujara. Wolfgang Bujara wird am 22. März 1996 in der Jahreshauptversammlung gewählt. Am selben Abend wird auch die neue Vereinssatzung verabschiedet, sie wird komplett auf den neuesten Stand gebracht.

Neue Uniformen

Das Jahr 1996 ist das Jahr, in dem der Musikverein zum dritten Male neue Uniformen bekommt. Die neue Vereinsfarbe ist nun Rot. Die Uniform besteht für die Herren aus einem roten Sakko, einer anthrazitfarbenen Hose, einem weißen Hemd und einem schwarzen Schlips mit modernem Muster. Die Frauenuniform besteht aus einer ähnlichen Jacke im gleichen rot, einem langen anthrazitfarbenen Rock, einer Bluse und einem Halstuch.