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Hüttenwerk Malberg: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Hüttenwerk Malberg''' ist dem Grundstein zufolge 1749 durch die Freiherren von Veyder gegründet worden und diente der Eisengewinnung und Verarbeitung.
Das '''Hüttenwerk Malberg''' ist dem Grundstein zufolge 1749 durch die Freiherren von Veyder gegründet worden und diente der Eisengewinnung und Verarbeitung.
==Gründung==
==Geschichte==
===Gründung===
Die Ursache der Gründung könnten Unstimmigkeiten der Herren von Veyder mit den Besitzern der Eisenwerke von Eichel­hütte bei Eisenschmitt gewesen sein. Die Eisenerze wurden hauptsächlich aus der näheren Umgebung bezogen, so von den Gemarkungen Malbergweich, Waxbrunnen, Balesfeld, Steinborn, Seinsfeld und Badem. Die ausgedehnten Waldungen der Herrschaft Malberg lieferten ausreichend Holzkohle. Ein großer Teil der Bewohner Malbergs arbeitete als Köhler in den Waldungen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wechselte der Besitz des Werkes mehrmals zwischen dem lothringischen Hütten­besitzer in Metz und dem Besitzer der Eisenhütte Quint, Kremer.
Die Ursache der Gründung könnten Unstimmigkeiten der Herren von Veyder mit den Besitzern der Eisenwerke von Eichel­hütte bei Eisenschmitt gewesen sein. Die Eisenerze wurden hauptsächlich aus der näheren Umgebung bezogen, so von den Gemarkungen Malbergweich, Waxbrunnen, Balesfeld, Steinborn, Seinsfeld und Badem. Die ausgedehnten Waldungen der Herrschaft Malberg lieferten ausreichend Holzkohle. Ein großer Teil der Bewohner Malbergs arbeitete als Köhler in den Waldungen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wechselte der Besitz des Werkes mehrmals zwischen dem lothringischen Hütten­besitzer in Metz und dem Besitzer der Eisenhütte Quint, Kremer.


==Hütte und Eisenschmelze Malberg bis 1845==
===Hütte und Eisenschmelze Malberg bis 1845===
1845 wird das obere Hammerfeuer verlegt. Bis dahin bestanden einfache Blasebälge. 1845 werden sie durch zwei Zylindergebläse ersetzt. Das Bild zeigt noch den Zustand vor 1845: Rechts durch den Wasserkandel fließt das Kyllwasser auf ein oberschlägiges Was­serrad. An der Achse des Wasserrades sind zwei Eisenschleifen befestigt, die beim Drehen den Blasebalghebel nach unten drücken. Ein Gewicht am Blasebalgoberteil zieht durch Hebelwirkung den Blasebalg wieder hoch. Die Mündung des Blasebalges endet im Hochofenunterteil. Durch dieses wechselseitige Zusammendrücken und Auseinander­ziehen des Blasebalges wird dem Hochofen die erforderliche Sauerstoffmenge zum Schmelzen des Erzes zugeführt.
1845 wird das obere Hammerfeuer verlegt. Bis dahin bestanden einfache Blasebälge. 1845 werden sie durch zwei Zylindergebläse ersetzt. Das Bild zeigt noch den Zustand vor 1845: Rechts durch den Wasserkandel fließt das Kyllwasser auf ein oberschlägiges Was­serrad. An der Achse des Wasserrades sind zwei Eisenschleifen befestigt, die beim Drehen den Blasebalghebel nach unten drücken. Ein Gewicht am Blasebalgoberteil zieht durch Hebelwirkung den Blasebalg wieder hoch. Die Mündung des Blasebalges endet im Hochofenunterteil. Durch dieses wechselseitige Zusammendrücken und Auseinander­ziehen des Blasebalges wird dem Hochofen die erforderliche Sauerstoffmenge zum Schmelzen des Erzes zugeführt.


==Großhammer in der Hütte Malberg==
===Großhammer in der Hütte Malberg===
1859 wird beim Oberbergamt Bonn die Genehmigung beantragt zur Erweiterung der Hütte. Damals werden insgesamt fünf Wasserräder, die von der Kyll getrieben werden, eingerichtet. Drei oberschlägige Räder treiben den Großhammer und die beiden Eisen­hämmer am Hammerfeuer; zwei unterschlägige Wasserräder liefern die Kraft einmal für das Gebläse am Hochofen, zum anderen, um den Schlackenbruch zu bewirken.
1859 wird beim Oberbergamt Bonn die Genehmigung beantragt zur Erweiterung der Hütte. Damals werden insgesamt fünf Wasserräder, die von der Kyll getrieben werden, eingerichtet. Drei oberschlägige Räder treiben den Großhammer und die beiden Eisen­hämmer am Hammerfeuer; zwei unterschlägige Wasserräder liefern die Kraft einmal für das Gebläse am Hochofen, zum anderen, um den Schlackenbruch zu bewirken.
Durch ein breites oberschlägiges Wasserrad wird der Hammer betrieben. Das Wasserrad hat eine verlängerte, durch einen kräftigen Baumstamm gebildete Achse. Am Ende der Achse ist diese mit einem breiten Bandeisen umfaßt, das kreuzförmig vier Rundeisenarme trägt. Beim Drehen des Rades hebt jeder dieser Arme jeweils den Hammer hoch und lässt ihn anschließend mit dem Eigengewicht auf den Amboss schlagen.
Durch ein breites oberschlägiges Wasserrad wird der Hammer betrieben. Das Wasserrad hat eine verlängerte, durch einen kräftigen Baumstamm gebildete Achse. Am Ende der Achse ist diese mit einem breiten Bandeisen umfaßt, das kreuzförmig vier Rundeisenarme trägt. Beim Drehen des Rades hebt jeder dieser Arme jeweils den Hammer hoch und lässt ihn anschließend mit dem Eigengewicht auf den Amboss schlagen.


==Stillegung==
===Stillegung===
Im Jahre 1876 wird das Werk stillgelegt, „nachdem die deutsche Eisenindustrie durch die Konkurrenz Englands hart darniedergedrückt worden" ist. Zudem wurde auch die Beschaffung des Rohmaterials zu kostspielig.
Im Jahre 1876 wird das Werk stillgelegt, „nachdem die deutsche Eisenindustrie durch die Konkurrenz Englands hart darniedergedrückt worden" ist. Zudem wurde auch die Beschaffung des Rohmaterials zu kostspielig.


==Neubelebung 1911==
===Neubelebung 1911===
Im Herbst 1911 wird in Kyllburg in einer Versammlung der „Verein zur industriellen Entwicklung der Südeifel" gegründet. „Dieser Verein bezweckt die Schaffung ausrei­chender Beschäftigung der Arbeitskräfte in dieser Gegend, um dadurch der Abwande­rung aus der Eifel wirksam zu begegnen."
Im Herbst 1911 wird in Kyllburg in einer Versammlung der „Verein zur industriellen Entwicklung der Südeifel" gegründet. „Dieser Verein bezweckt die Schaffung ausrei­chender Beschäftigung der Arbeitskräfte in dieser Gegend, um dadurch der Abwande­rung aus der Eifel wirksam zu begegnen."


„So wurden auch die Räume der früheren Eisengießerei, die dem Schloß Malberg gehö­ren, gemietet und eine Metallwarenfabrik gegründet, die den Titel, Eifeler Metallwaren­fabrik Rudolf Sempell GmbH in Malberg führt. Die Fabrik liefert als Spezialität Walzen­lager mit Weißmetall- oder Spezialeinlage, Hochofenarmaturen, Rot-, Messing- und Kupferguß sowie Lagermetall für sämtliche Beanspruchungen. Nachdem die Räume in Ordnung gebracht waren, wurde am 3. Juni 1912 die Arbeit mit vier Mann wieder auf­genommen. Am 10. Juli 1912 wurde zum erstenmal gegossen. Die Fabrik hat sich so entwickelt, daß nach einem Jahre außer dem Meister 24 Leute aus Malberg in der Fabrik und zwei im Büro beschäftigt sind" (Chronik).
„So wurden auch die Räume der früheren Eisengießerei, die dem Schloß Malberg gehö­ren, gemietet und eine Metallwarenfabrik gegründet, die den Titel, Eifeler Metallwaren­fabrik Rudolf Sempell GmbH in Malberg führt. Die Fabrik liefert als Spezialität Walzen­lager mit Weißmetall- oder Spezialeinlage, Hochofenarmaturen, Rot-, Messing- und Kupferguß sowie Lagermetall für sämtliche Beanspruchungen. Nachdem die Räume in Ordnung gebracht waren, wurde am 3. Juni 1912 die Arbeit mit vier Mann wieder auf­genommen. Am 10. Juli 1912 wurde zum erstenmal gegossen. Die Fabrik hat sich so entwickelt, daß nach einem Jahre außer dem Meister 24 Leute aus Malberg in der Fabrik und zwei im Büro beschäftigt sind" (Chronik).
==Beschreibung der Anlage==
Eine sehr schematische Plandarstellung von 1760 zeigt bereits die gleiche Disposition der Bauten wie das genauere Urkataster von 1824. Demzufolge standen sich, etwa nordwest-südöstlich ausgerichtet, zwei lang gestreckte Trakte parallel gegenüber, von denen der nördliche den Produktionsablauf der Eisenverhüttung aufnahm, der südliche als Kohlenschuppen diente. Am westlichen Ende beider Trakte schloss sich je ein Wohn- / Verwaltungsgebäude an. Das eigentliche Hüttengebäude wurde bereits im späten 19. Jahrhundert ersatzlos abgebrochen. Ob die erhaltenen Bauten auf das mittlere 18. Jahrhundert zurückgehen oder später erneuert wurden, lässt sich angesichts der schlichten Einzelformen nicht sicher beurteilen; möglich erscheinen eingreifende Veränderungen im frühen 19. Jahrhundert.
Besonders eindrucksvoll ist bis heute die kyllseitige Ansicht des Werkes mit dem über 80 Meter langen südlichen Trakt, der den ehemaligen Kohlenschuppen (später Metallwarenfabrik) und eines der beiden Wohnhäuser unter einem Dach vereinigt. Zahllose kleinere Veränderungen des 20. Jahrhunderts haben vom ursprünglichen Zustand allerdings nur die Großform übrig gelassen.
In den Details besser erhalten ist das nördliche Wohnhaus, wie das südliche zweigeschossig, aber mit steilerem Dach; die Fenster- und Türöffnungen rechteckig und glatt gerahmt, Türflügel des 19. Jahrhunderts. Östlich angelehnt ist noch die Giebelwand des abgebrochenen Hüttengebäudes erhalten, deren spitzbogige Blendnischen ebenfalls für einen Neubau im 19. Jahrhundert sprechen.
Die Lehrwerkstatt von 1938 wurde 1985 zum [[Gemeindehaus Malberg|Gemeindehaus]] umgebaut und dabei erweitert. Der Gründungsstein des Werkes mit Wappen, lateinischer Inschrift und Jahreszahl ist heute in einen jüngeren Anbau des Südtraktes eingelassen.
[[Kategorie:Malberg]]
[[Kategorie:Malberg]]
[[Kategorie:Bauwerk]]

Version vom 18. Februar 2016, 18:02 Uhr

Das Hüttenwerk Malberg ist dem Grundstein zufolge 1749 durch die Freiherren von Veyder gegründet worden und diente der Eisengewinnung und Verarbeitung.

Geschichte

Gründung

Die Ursache der Gründung könnten Unstimmigkeiten der Herren von Veyder mit den Besitzern der Eisenwerke von Eichel­hütte bei Eisenschmitt gewesen sein. Die Eisenerze wurden hauptsächlich aus der näheren Umgebung bezogen, so von den Gemarkungen Malbergweich, Waxbrunnen, Balesfeld, Steinborn, Seinsfeld und Badem. Die ausgedehnten Waldungen der Herrschaft Malberg lieferten ausreichend Holzkohle. Ein großer Teil der Bewohner Malbergs arbeitete als Köhler in den Waldungen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wechselte der Besitz des Werkes mehrmals zwischen dem lothringischen Hütten­besitzer in Metz und dem Besitzer der Eisenhütte Quint, Kremer.

Hütte und Eisenschmelze Malberg bis 1845

1845 wird das obere Hammerfeuer verlegt. Bis dahin bestanden einfache Blasebälge. 1845 werden sie durch zwei Zylindergebläse ersetzt. Das Bild zeigt noch den Zustand vor 1845: Rechts durch den Wasserkandel fließt das Kyllwasser auf ein oberschlägiges Was­serrad. An der Achse des Wasserrades sind zwei Eisenschleifen befestigt, die beim Drehen den Blasebalghebel nach unten drücken. Ein Gewicht am Blasebalgoberteil zieht durch Hebelwirkung den Blasebalg wieder hoch. Die Mündung des Blasebalges endet im Hochofenunterteil. Durch dieses wechselseitige Zusammendrücken und Auseinander­ziehen des Blasebalges wird dem Hochofen die erforderliche Sauerstoffmenge zum Schmelzen des Erzes zugeführt.

Großhammer in der Hütte Malberg

1859 wird beim Oberbergamt Bonn die Genehmigung beantragt zur Erweiterung der Hütte. Damals werden insgesamt fünf Wasserräder, die von der Kyll getrieben werden, eingerichtet. Drei oberschlägige Räder treiben den Großhammer und die beiden Eisen­hämmer am Hammerfeuer; zwei unterschlägige Wasserräder liefern die Kraft einmal für das Gebläse am Hochofen, zum anderen, um den Schlackenbruch zu bewirken. Durch ein breites oberschlägiges Wasserrad wird der Hammer betrieben. Das Wasserrad hat eine verlängerte, durch einen kräftigen Baumstamm gebildete Achse. Am Ende der Achse ist diese mit einem breiten Bandeisen umfaßt, das kreuzförmig vier Rundeisenarme trägt. Beim Drehen des Rades hebt jeder dieser Arme jeweils den Hammer hoch und lässt ihn anschließend mit dem Eigengewicht auf den Amboss schlagen.

Stillegung

Im Jahre 1876 wird das Werk stillgelegt, „nachdem die deutsche Eisenindustrie durch die Konkurrenz Englands hart darniedergedrückt worden" ist. Zudem wurde auch die Beschaffung des Rohmaterials zu kostspielig.

Neubelebung 1911

Im Herbst 1911 wird in Kyllburg in einer Versammlung der „Verein zur industriellen Entwicklung der Südeifel" gegründet. „Dieser Verein bezweckt die Schaffung ausrei­chender Beschäftigung der Arbeitskräfte in dieser Gegend, um dadurch der Abwande­rung aus der Eifel wirksam zu begegnen."

„So wurden auch die Räume der früheren Eisengießerei, die dem Schloß Malberg gehö­ren, gemietet und eine Metallwarenfabrik gegründet, die den Titel, Eifeler Metallwaren­fabrik Rudolf Sempell GmbH in Malberg führt. Die Fabrik liefert als Spezialität Walzen­lager mit Weißmetall- oder Spezialeinlage, Hochofenarmaturen, Rot-, Messing- und Kupferguß sowie Lagermetall für sämtliche Beanspruchungen. Nachdem die Räume in Ordnung gebracht waren, wurde am 3. Juni 1912 die Arbeit mit vier Mann wieder auf­genommen. Am 10. Juli 1912 wurde zum erstenmal gegossen. Die Fabrik hat sich so entwickelt, daß nach einem Jahre außer dem Meister 24 Leute aus Malberg in der Fabrik und zwei im Büro beschäftigt sind" (Chronik).

Beschreibung der Anlage

Eine sehr schematische Plandarstellung von 1760 zeigt bereits die gleiche Disposition der Bauten wie das genauere Urkataster von 1824. Demzufolge standen sich, etwa nordwest-südöstlich ausgerichtet, zwei lang gestreckte Trakte parallel gegenüber, von denen der nördliche den Produktionsablauf der Eisenverhüttung aufnahm, der südliche als Kohlenschuppen diente. Am westlichen Ende beider Trakte schloss sich je ein Wohn- / Verwaltungsgebäude an. Das eigentliche Hüttengebäude wurde bereits im späten 19. Jahrhundert ersatzlos abgebrochen. Ob die erhaltenen Bauten auf das mittlere 18. Jahrhundert zurückgehen oder später erneuert wurden, lässt sich angesichts der schlichten Einzelformen nicht sicher beurteilen; möglich erscheinen eingreifende Veränderungen im frühen 19. Jahrhundert. Besonders eindrucksvoll ist bis heute die kyllseitige Ansicht des Werkes mit dem über 80 Meter langen südlichen Trakt, der den ehemaligen Kohlenschuppen (später Metallwarenfabrik) und eines der beiden Wohnhäuser unter einem Dach vereinigt. Zahllose kleinere Veränderungen des 20. Jahrhunderts haben vom ursprünglichen Zustand allerdings nur die Großform übrig gelassen. In den Details besser erhalten ist das nördliche Wohnhaus, wie das südliche zweigeschossig, aber mit steilerem Dach; die Fenster- und Türöffnungen rechteckig und glatt gerahmt, Türflügel des 19. Jahrhunderts. Östlich angelehnt ist noch die Giebelwand des abgebrochenen Hüttengebäudes erhalten, deren spitzbogige Blendnischen ebenfalls für einen Neubau im 19. Jahrhundert sprechen. Die Lehrwerkstatt von 1938 wurde 1985 zum Gemeindehaus umgebaut und dabei erweitert. Der Gründungsstein des Werkes mit Wappen, lateinischer Inschrift und Jahreszahl ist heute in einen jüngeren Anbau des Südtraktes eingelassen.