Burg: Unterschied zwischen den Versionen
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Im Volksmund hält sich das Gerücht, der Turm sei einst doppelt so hoch gewesen, um den Raubritter [[Rudolph von Malberg|Rudolf]] und seine Aktivitäten direkt beobachten zu können. Dies ist aber aus statischen Gründen nicht möglich. Außerdem hätte der Turm zu diesem Zweck mehr als dreimal so hoch sein müssen, um über den Bergsporn direkt auf die Malberger Burg blicken zu können. | |||
Man kann davon ausgehen, dass der Turm ursprünglich kaum höher war und einen schlichten Zinnenkranz besaß, auf dem ein einfaches Zeltdach ruhte. Ähnliche Konstruktionen finden sich bei vielen Burgen des 13. Jahrhunderts. | |||
Bei genauer Betrachtung der obersten Turmöffnungen fallen abgeschlagene Konsolsteine unter den jeweiligen Fenstern auf, lediglich auf der Ostseite (Eingangsseite) fehlen diese. Das legt den Schluss nahe, dass dort einst hölzerne Erker angebracht waren. Ob diese zu Verteidigungszwecken, zum Begießen des Feindes mit heißem Wasser oder Pech, oder als Abtritt dienten kann nicht mehr einwandfrei festgestellt werden. Das oberste Geschoss diente zudem als bewohnbarer Rückzugsort im Angriffsfall. Dieses Geschoss ist das einzige, das über einen offenen Kamin verfügt und somit beheizt werden konnte. | |||
Die Verbindung der einzelnen Geschosse wird mittels Leitern erfolgt sein, da der Innenraum zu knapp bemessen ist, um dies mittels Treppen zu gestalten. Die Geschossdecken wurden mittels einfacher Balkenlagen verwirklicht, die mit Bohlen beplankt waren. Lediglich das Untergeschoss, das man gemeinhin als Verließ bezeichnet, hat eine steinerne Tonnengewölbedecke. Darin befand sich ein quadratisches, konisch nach unten verjüngtes Loch, das mit einem Stein oder einem Brett verschlossen werden konnte. Das Herabwinden von Gefangenen erfolgte entweder durch eine einfache Haspel, die direkt über das Loch gestellt wurde, oder mittels eine Umlenkrolle an der Decke über dem Loch. | |||
[[Bild:Außenfassade Burgturm.png|900px|center|Außenfassade Burgturm]]<center>Fotogrammetrisches Aufmaß der Burgturm-Außenfassaden</center> | |||
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Version vom 5. Januar 2018, 10:23 Uhr
Die Kyllburg ist der Rest einer Höhenburg auf dem Kyllberg in der Stadt Kyllburg im Eifelkreis Bitburg-Prüm.
Geschichte
Im Jahre 1239 ließ Erzbischof Theoderich von Trier, um sein Gebiet gegen die Nordgrenze des Trierer Erzbistums und gegen die Dynasten von Malberg zu schützen, als Eck- und Grenzfeste Kurtriers eine größere Burg, die eigentliche Kyllburg, erbauen. Die heute noch zum Teil erhaltene Burg wurde durch einen Schulhausbau im Jahre 1912 teilweise ersetzt. Der zerfallene Marstall wurde im Februar und März 1960 abgerissen.
Zur Aufbringung der Kosten dieses Burgbaues verkaufte Erzbischof Theoderich die durch den Tod der Agnes von Malberg heimgefallenen Lehen zu Roßporten unter Zustimmung seines Trierer Domkapitels für 200 Pfund ans Kloster St. Thomas.
Die unmittelbare Veranlassung zur Beschleunigung des Baues der neuen größeren Burg waren, wie dies die Gesta Treverorum bezeugen, die Gewalttätigkeiten des Ritters Rudolf von Malberg, der sich der Herrschaft von Malberg bemächtigt hatte. Er versuchte, dem, unweit von Kyllburg gelegenen, Zisterzienserinnenkloster St. Thomas, die Güter, die diesem von Agnes von Malberg geschenkt worden waren, nach ihrem Tode mit Gewalt zu entreißen. Rudolf befehdete das Kloster, und die Nonnen waren genötigt, dasselbe zu verlassen; sie wanderten sämtlich nach Trier, wo sie täglich in Prozessionen nach der hohen Domkirche zogen und während des Gottesdienstes mit lauter kläglicher Stimme die zwei Antiphonen "Media vita in morte sumus" und "Salve regina mater misericordiae" sangen, bis ihnen von dem Erzbischof gegen ihren unruhigen Nachbarn Beistand geleistet wurde. Nachdem der Erzbischof ihn mit Waffengewalt bezwungen hatte, fügte er sich. Die neue Burg auf dem Kyllberge hielt ihn auch fernerhin in Schranken. Die Kyllburg wurde ein Bollwerk, das noch manchmal sich bewähren und Angriffe auf den Kurstaat abwehren sollte.
Beschreibung
Der aus der Gründungszeit stammende quadratische, über 23 Meter hohe fünfgeschossige Bergfried, heute mit Aussichtsplattform, auf der Südseite ist vollständig erhalten. Der an den östlichen Ringmauerabschnitt angelehnte Palas wurde Ende des 16. Jahrhunderts, die Wirtschaftsgebäude am Nordrand des Hofes 1764 neugebaut. Um 1840 wurden die früheren Stallungen zwischen Bergfried und Straße zu einem Schulhaus umgebaut und 1911 der Palas für einen größeren Schulneubau abgebrochen. Die baufälligen Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jahrhundert wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ersatzlos abgerissen. In der Burg soll sich auch die Folterkammer des Hochgerichts Kyllburg, und zwar unter dem Schulhaus befunden haben. Sie hat gewiss in den Hexenprozessen des ausgehenden Mittelalters eine Rolle gespielt und dem Inquisitor und der Wut des Volkes gedient.
Heute befindet sich die Burganlage in Privatbesitz.
Bergfried
Der Bergfried (Burgturm) ist der einzig noch erhaltene Teil der ursprünglichen Kyllburg. Die Basis misst ca. 7 Meter im Quadrat. Der Turm besitzt heute eine Höhe von knapp 23 Metern ohne die 1911 angebrachte Aussichtsplattform. Ab 14 Metern Höhe verschmälert sich der Turm um ca. 30 cm.
Im Volksmund hält sich das Gerücht, der Turm sei einst doppelt so hoch gewesen, um den Raubritter Rudolf und seine Aktivitäten direkt beobachten zu können. Dies ist aber aus statischen Gründen nicht möglich. Außerdem hätte der Turm zu diesem Zweck mehr als dreimal so hoch sein müssen, um über den Bergsporn direkt auf die Malberger Burg blicken zu können.
Man kann davon ausgehen, dass der Turm ursprünglich kaum höher war und einen schlichten Zinnenkranz besaß, auf dem ein einfaches Zeltdach ruhte. Ähnliche Konstruktionen finden sich bei vielen Burgen des 13. Jahrhunderts.
Bei genauer Betrachtung der obersten Turmöffnungen fallen abgeschlagene Konsolsteine unter den jeweiligen Fenstern auf, lediglich auf der Ostseite (Eingangsseite) fehlen diese. Das legt den Schluss nahe, dass dort einst hölzerne Erker angebracht waren. Ob diese zu Verteidigungszwecken, zum Begießen des Feindes mit heißem Wasser oder Pech, oder als Abtritt dienten kann nicht mehr einwandfrei festgestellt werden. Das oberste Geschoss diente zudem als bewohnbarer Rückzugsort im Angriffsfall. Dieses Geschoss ist das einzige, das über einen offenen Kamin verfügt und somit beheizt werden konnte.
Die Verbindung der einzelnen Geschosse wird mittels Leitern erfolgt sein, da der Innenraum zu knapp bemessen ist, um dies mittels Treppen zu gestalten. Die Geschossdecken wurden mittels einfacher Balkenlagen verwirklicht, die mit Bohlen beplankt waren. Lediglich das Untergeschoss, das man gemeinhin als Verließ bezeichnet, hat eine steinerne Tonnengewölbedecke. Darin befand sich ein quadratisches, konisch nach unten verjüngtes Loch, das mit einem Stein oder einem Brett verschlossen werden konnte. Das Herabwinden von Gefangenen erfolgte entweder durch eine einfache Haspel, die direkt über das Loch gestellt wurde, oder mittels eine Umlenkrolle an der Decke über dem Loch.