Hahnenkampf

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Kupferstich von William Hogarth (1759)

Der Hahnenkampf oder auch Kyllburger Hahnenkampf ist ein altes Brauchtum, das es seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr gibt. Er wird als Ursprung der Kyllburger Karnevalstradition des Freiherrn von Schawen angesehen.

Zu Ende des 18. Jahrhunderts, als unter dem letzten Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen ein wahrer Vernichtungskampf gegen das Volksbrauchtum geführt wurde, ging auch in Kyllburg ein Brauch der Schuljungen verloren: der Hahnenkampf. Es war alte Tradition und die Entstehung dürfte mit dem Geschlecht derer von Brandscheid in Verbindung gebracht werden, die in ihrem Wappen zwei kämpfende Hähne führten. Es ist zu vermuten, dass dieser Hahnenkampf, als der Adel noch in voller Blüte stand, eine Belustigung der Knappen war, denn in den Landstrichen der Ardennen und Belgiens finden wir Parallelen dazu und dass der Brauch später in die Hände der Schuljugend überging.

Der Tag des hl. Sebastian (20. Januar) war der Stichtag dieser Volksbelustigung. Jeder schulpflichtige Junge war berechtigt - aber nicht verpflichtet -, an diesem Spiel teilzunehmen. Sorgfältig wurden die zum Kampf bestimmten Hähne vorher gepflegt und gefüttert, und am Nachmittag des Sebastianstages brachte jeder sein Tier mit in den Schulsaal. Hier war alt und jung schon zum Schauspiel versammelt, und der Schultheiß mit seinen Beigeordneten führte die Oberaufsicht. Jeder Hahn erhielt eine Nummer, und der Kampf begann. Der Schulsaal wurde zur Arena, deren Begrenzung die Schuljungen bildeten, die sich im Kreis niedersetzten und die Hähne aufeinander losließen. Der erste und der zweite Hahn begannen das Wechselduell, der Sieger dieses Zweikampfes wurde dem dritten gegenübergestellt. Federn folgen, Blut floss, Anfeuerungsrufe peitschten den immer hitziger werdenden Kampf. Hahn um Hahn schied aus und Sieger wurde jener, der die meisten Gegner geworfen hatte. Dieser Hahn war König und seinen Besitzer beglückwünschte das Publikum:

König Hahn, Dein Jahr ist an!

Der Vater des "Hahnenkönigs" hatte das Recht, im "Hahn" die beste Buche zu schlagen, hatte jedoch die Verpflichtung, den traditionellen Obolus an Gaben zu spendieren. Anschließend an den Kampf zogen die Burschen zum Haus des neuen Königs, wo der Vater sie mit Weißbrot und Bier bewirten musste. Nun kamen große Feiern, teils in Kyllburg, teils in der Umgegend. Anfang Februar, in der Woche nach Maria Lichtmess, führte der "König" seine Begleiter, die zwölf ältesten Schulknaben, zum Kloster Himmerod, wo sie sich für zwei Tage einquartierten. Den Höhepunkt erreichten die Feste zur Fastnacht. Am Fetten Donnerstag war Auftakt, und der Teilnehmerkreis hatte sich auf die gesamte Schuljugend ausgedehnt. In feierlichem Zug, jedes Kind war mit Teller, Löffel und Gabel bewaffnet, schritten dieselben zum Haus des Hahnenkönigs, wo sie ihr Frühstück einnahmen.

Speisefolge war: Suppe, Brei und Birnfladen.

Nach diesem Frühstück wanderte die junge Schar zum Kloster St. Thomas, das zur Verabreichung eines Mittagessens verpflichtet war. Nach der Rückkehr am späten Nachmittag wurde im Hause des Hahnenkönigs das Abendessen serviert. Reisbrei mit Kalbfleisch, Salat, Kalbsbraten, Bratwurst und Weißbrot (später auch Kartoffeln) waren die Speisen, als Getränk diente Viez und Bier. Am Freitagmorgen musste der Vater des Hahnenkönigs wieder für ein Frühstück sorgen: Milchsuppe, Brei und Birnfladen waren hier die traditionellen Speisen. Anschließend gingen die Kinder hausum und sammelten Naturalien für die weiteren Essen. Ein großes Mahl, bei dem ein eigenes Hofzeremoniell galt und wo ein Mundschenk in Tätigkeit trat, fand am Mittag statt. Milchsuppe leitete die Festtafel ein, dann folgten: Reisbrei, Apfel- und Birnschnitze, Eierkuchen, Fladen und Weißbrot. Als Getränk diente Bier und Viez, der König und die Ältesten erhielten Wein. Am Abend gab es Brei, gebackene Birnen, Eiertorte und Fladen, in späterer Zeit auch Kartoffelsuppe.

Diese Essen wurden in einem Saal eingenommen, und das Publikum war zugelassen. Selbstverständlich war der Lehrer als Gast eingeladen, und diese Tage galten als die nährwirtschaftlich besten des Jahreskreises und stellten eine angenehme Abwechslung dar. Bei diesen Festgelagen durfte keiner ohne die Erlaubnis des Königs sprechen. Wer es dennoch tat, dem wurde der Heimweg befohlen. "Der König trink!" rief der Mundschenk, wenn dieser das Glas zu den Lippen hob; alle Kinder echoten den Ruf und klopften dann mit ihren Löffeln und Gabel an die Teller, bis der Mundschenk dem König mit einem Tuch den Mund abgewischt hatte. Dieselbe Regelung war am Mittag des Fastnachtssonntags, wenn das letzte Mahl stattfand, bei dem Suppe, Rindfleisch, Wurst, Gemüse, Beiessen aus Kalbfleisch, Braten und Fladen gereicht wurden und zu den Getränken noch Branntwein kam. Dass diese Feier gegen Ende oft ausgelassene Formen annahm, liegt auf der Hand. Nach dem Essen erhielten die Kinder ihre Werkzeuge, Teller, Löffel und Gabel zurück, daneben noch als Zugabe ein Stück Eierkuchen. Feierlich stellten sie sich auf und riefen im Sprechchor:

König Laus, Dein Jahr ist aus!

Damit war das Volksfest, an dem sich nicht nur die Jugend, sondern die gesamte Bevölkerung beteiligte, zu ende.

Mancher Vater bangte schon vor dem eigentlichen Hahnenkampf darum, dass sein Sprössling die Königswürde hoffentlich nicht erlangen würde, denn die Buche aus dem "Hahn" reichte beim Appetit der Jugend nicht immer, um die Unkosten zu decken.