Vorvereinszeit KKG

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Wann genau in Kyllburg das erste mal Fastnacht in der heute gebräuchlichen Form gefeiert wurde ist nicht überliefert. Vielerorts wurde schon im Mittelalter die Karnevalszeit ausgelassen gefeiert. Die letzten Tage vor der österlichen Fastenzeit wurden genutzt, um ausgiebig zu feiern und über die Strenge zu schlagen. Dies geschah oft bei Maskenbällen. Die ersten gebräuchlichen Kostümierungen waren "Rollenwechsel-Kostüme" bei denen man wahlweise ins andere Geschlecht wechselte oder sich eine andere Berufskleidung zulegte. Durch den Einmarsch der Franzosen nach der Französischen Revolution, Ende des 18. Jahrhunderts wurden sämtliche karnevalistischen Aktivitäten verboten.

Neubeginn im 19. Jahrhundert

Das änderte sich erst, nachdem das Rheinland 1815 preußisch wurde. In Köln entstand eine organisierte Form der Fastnacht 1823 mit der Gründung des „Festordnenden Comites“. Wenige Jahre später zogen auch die Mainzer und Koblenzer nach. So verbreitete sich die Rheinische Fastnacht nach und nach im linksrheinischen Raum. Spätestens um 1840 dürfte die Fastnacht auch bei uns Fuß gefasst haben. Belege dafür gibt es jedoch bislang nicht. Die älteste Erwähnung der Kyllburger Foasicht ist in einem Bericht des Kyllburger Pastors Christian Müller erhalten und stammt etwa von 1885. Hier wir auch zum ersten mal erwähnt, dass die Fastnacht eingeleitet, ausgeführt und begraben wurde. Drei Dinge, die wir auch heute noch machen.

Charakter des Volkes - ein kurzer Artikel über die Kyllburger zur Fastnachtszeit

Der Charakter des Volkes von Pastor Christian Müller ca. 1885

Der Kilburger ist urgemütlich, ruhig, bedachtsam in seinen Unternehmungen und streng hält er fest an alten Sitten und Gebräuchen; Neuerungen liebt er nicht und ist zu solchen nur sehr schwer zu bewegen. Vereine und Dergleichen können nur langsam entstehen, und ist seitens der Gründer die größte Ausdauer erforderlich, die Nützlichkeit und Notwendigkeit dieser Neuerungen einsehend, kann er doch von seinem Phlegma nicht Abschied nehmen und die gute Sache unterstützen. An Ordnung ist er nicht zu gewöhnen – „ad libitum“ ist sein Wahlspruch. Gilt es aber den „Kaiass“, wie Herr Dechant Kröll zu sagen pflegte, zu machen, dann lebt Kilburg auf, kein Opfer ist ihm zu groß. Tag und Nacht werden darauf verwandt ihr Sinnen und Trachten zu verwirklichen. Dieses zeigte sich besonders während der Faschingszeit; eingeleitet, ausgeführt und begraben musste die selbe werden, sonst war man nicht zufrieden. Die carnevalistischen Aufzüge Kilburgs hatten von jeher bedeutenden Ruf und lockten sehr viel Volk an. Ein Lehrer über die Sitten und Gebräuche Kilburgs befragt, antwortete: „In Kilburg ist es Fastnacht von Aschermittwoch bis Fastnachtsonntag.“

1906 - Barbara und Sybille Schwickerath
1922 - Karneval auf der Hochstraße

Entwicklung der heutigen Form Anfang des 20. Jahrhunderts

Wiederum können wir uns nicht auf gesicherte Belege stützen. Da die Fastnacht scheinbar zu alltäglich und allgemein akzeptiert war, dass man es nicht für nötig hielt, darüber etwas zu schreiben. Das früheste Fotodokument stammt aus dem Jahre 1906. Es zeigt die Geschwister Barbara und Sybille Schwickerath in einer Indianerkostümierung. Das nächste Foto stammt aus dem Jahre 1922. Auf ihm erkennt man unter anderem den Freiherrn von Schawen mitsamt dem Hanswurst und dem Schwarzen. Bis zum Kriegsbeginn 1939 fanden auch regelmäßig Umzüge am Karnevalssonntag statt. Während des Krieges kam das karnevalistische Treiben nahezu zum Erliegen. Doch gleich nach Kriegsende blühte die Fastnacht wieder auf. Es gab wieder Bälle und Umzüge, auch Kappensitzungen gehörten wieder zu Fastnachtsprogramm.

Eine Seltenheit: Prinzenpaare

1950 - Das letze Prinzenpaar in Kyllburg: Willi Pauly und Marita Kreutz

Seit jeher scheint es in Kyllburg den Freiherrn von Schawen als närrische Galionsfigur gegeben zu haben. Daneben gab es auch immer wieder Bestrebungen einen Prinzen oder ein Prinzenpaar zu etablieren. Das funktionierte jedoch immer nur für wenige Jahre, da mangels Freiwilliger selten ein jährlicher Wechsels machbar war. Das bislang letzte Prinzenpaar gab es 1950. Erst 1983 gab es wieder ein Prinzenpaar in Kyllburg. Dies bestand jedoch nicht aus Erwachsenen, sondern war ein Kinderprinzenpaar. 2008 regierte mit Anne Schliebs und Marcel Gördel das letzte Kinderprinzenpaar. Seit 2009 haben wir eine Kinder-Schawenmannschaft.

Die 50er Jahre

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Krieg, erfuhr auch die Kyllburger Foasicht eine neue Blüte. Es fanden wieder Umzüge statt, Kappensitzungen bzw. bunte Abende wurden angeboten und es fanden auch wieder ausgelassene Bälle statt. Organisiert wurde das ganze von einem losen Zusammenschluss engagierter Karnevalisten. Diese fanden 1957, dass es an der Zeit sei, sich als ordentlicher Verein zu organisieren, um so die Fastnacht besser durchführen zu können.

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