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Stiftskirche: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Stiftskirche.jpg|miniatur|Stiftskirche von Südwesten]]
[[Datei:Siegel Stift Kyllburg.jpg|miniatur|Siegel des Kyllburger Stiftes, Kölnisches Stadtmuseum, Inventar-Nr. 1967/144]]
Kleine, vollständig erhaltene Stiftsanlage des 13. und 14. Jahrhunderts in beherrschender Lage auf dem höchsten Punkt des Kyllberges.
Kleine, vollständig erhaltene Stiftsanlage des 13. und 14. Jahrhunderts in beherrschender Lage auf dem höchsten Punkt des Kyllberges.


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==Architektur==
==Architektur==
===Außenbau===
===Außenbau===
Der Außenbau spiegelt die beiden Bauphasen wider. Der Chor und die beiden östlichen Joche, die auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückgehen, sind aus verputztem Bruchsteinmauerwerk errichtet, während die zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstandenen westlichen Joche und der untere Teil des Turmes aus regelmäßig behauenen Sandsteinquadern ohne Putz ausgeführt sind. Die östlichen Bauteile weisen große Spitzbogenfenster auf, das westliche Langhaus ist von wesentlich kleineren Öffnungen durchbrochen. Die oberen Turmgeschosse und der steinerne Helm wurden erst bei der Renovierung der Kirche 1863/64 aufgesetzt.
Der Außenbau spiegelt die beiden Bauphasen wider. Der Chor und die beiden östlichen Joche, die auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückgehen, sind aus verputztem Bruchsteinmauerwerk errichtet, während die zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstandenen westlichen Joche und der untere Teil des Turmes aus regelmäßig behauenen Sandsteinquadern ohne Putz ausgeführt sind. Die östlichen Bauteile weisen große Spitzbogenfenster auf, das westliche Langhaus ist von wesentlich kleineren Öffnungen durchbrochen. Die oberen Turmgeschosse und der steinerne Helm wurden erst bei der Renovierung der Kirche 1863/64 aufgesetzt.


Das Westportal ist mit Fialen verziert und wird von einem Wimperg und einer Maßwerkrosette bekrönt. Darüber öffnet sich ein vierteiliges Maßwerkfenster. Das Hauptportal befindet sich an der Nordseite. Es ist als Doppelportal gestaltet, an dessen Trumeaupfeiler unter einem Baldachin eine [[Nordportal|steinerne Madonnenfigur]] aus dem späten 14. Jahrhundert auf einer mit Laubwerk skulptierten Konsole steht. Ein von Dreipassbögen umgebenes Relief mit der Darstellung des Gotteslammes und ein Kruzifix schmücken das spitzbogige Tympanon.
Das Westportal ist mit Fialen verziert und wird von einem Wimperg und einer Maßwerkrosette bekrönt. Die Rosette wurde [[1994]] durchbrochen und mit Glasfenstern versehen. Auf dem Fenster ist Maria als Himmelskönigin dargestellt.
Darüber Gedächtnisfenster für die Gefallenen des 1. Weltkrieges 1914-1918, hergestellt von der Firma Binsfeld aus Trier im Sommer [[1918]]. Kostenpunkt 1750 Mark durch eine einmalige Hauskollekte in der Pfarrei aufgebracht.
Es zeigt in seinen oberen Teilen das Wappen von Kyllburg, die Jahreszahlen 1914-1918, Kriegerembleme und Lorbeerverzierung. In der Mitte groß ein feldgrauer Krieger, der in voller Ausrüstung vor der Patronin der Pfarrei, der Himmelskönigin kniet und aus den Händen ihrer göttlichen Kinder den himmlischen Siegerlorbeer empfängt. Zur Seite stehen zwei Ritter und unter dem Bilde die Namen der gefallenen Krieger und wann sie gefallen sind
 
Das Hauptportal befindet sich an der Nordseite. Es ist als Doppelportal gestaltet, an dessen Trumeaupfeiler unter einem Baldachin eine [[Nordportal|steinerne Madonnenfigur]] aus dem späten 14. Jahrhundert auf einer mit Laubwerk skulptierten Konsole steht. Ein von Dreipassbögen umgebenes Relief mit der Darstellung des Gotteslammes und ein Kruzifix schmücken das spitzbogige Tympanon.


===Innenraum===
===Innenraum===


Das einschiffige Langhaus ist in fünf querrechteckige Joche gegliedert und mit einem leicht gebusten Kreuzrippengewölbe gedeckt. Die aus kräftigen Birnstäben gebildeten Gewölberippen und Gurtbögen ruhen auf dreiteiligen Wanddiensten mit schlichten Kelchkapitellen. Die Schlusssteine sind mit großen Blatt- und Blütenmotiven skulptiert. Ein hoher Triumphbogen öffnet sich im Osten zu dem stark eingezogenen Chor.
Das einschiffige Langhaus ist in fünf querrechteckige Joche gegliedert und mit einem leicht gebusten Kreuzrippengewölbe gedeckt. Die aus kräftigen Birnstäben gebildeten Gewölberippen und Gurtbögen ruhen auf dreiteiligen Wanddiensten mit schlichten Kelchkapitellen. Die Schlusssteine sind mit großen Blatt- und Blütenmotiven skulptiert. Ein hoher Triumphbogen öffnet sich im Osten zu dem stark eingezogenen Chor.
==Bleiglasfenster==
 
Die Bleiglasfenster im Chor wurden 1533 und 1534 von den Kyllburger Kanonikern Bernhard und Jakob in Auftrag gegeben. Vom südlichen Chorfenster sind nur noch Fragmente erhalten, es wurde 1875 weitgehend erneuert. In der Mitte ist die Grablegung und im Maßwerk die Auferstehung Christi dargestellt. Die unteren Felder sind den Heiligen Rochus von Montpellier und Laurentius von Rom gewidmet.
==Chorfenster==
Die [[Chorfenster]] wurden 1533 und 1534 von den Kyllburger Kanonikern Bernhard und Jakob in Auftrag gegeben. Vom südlichen Chorfenster sind nur noch Fragmente erhalten, es wurde 1875 weitgehend erneuert. In der Mitte ist die Grablegung und im Maßwerk die Auferstehung Christi dargestellt. Die unteren Felder sind den Heiligen Rochus von Montpellier und Laurentius von Rom gewidmet.


Das zentrale Thema des nördlichen Fensters ist die Anbetung des neugeborenen Jesuskindes. Im Vordergrund kniet Maria, Engel beugen sich über das Kind. Am rechten Bildrand steht Joseph, auf der linken Seite nähern sich die Hirten. Im unteren Feld kniet links der Stifter Jakobus vor dem hl. Antonius. Das rechte Feld zeigt den hl. Nikolaus, der einem Bettler eine Münze gibt. Im Vierpassfenster ist die Szene der Verkündigung dargestellt.
Das zentrale Thema des nördlichen Fensters ist die Anbetung des neugeborenen Jesuskindes. Im Vordergrund kniet Maria, Engel beugen sich über das Kind. Am rechten Bildrand steht Joseph, auf der linken Seite nähern sich die Hirten. Im unteren Feld kniet links der Stifter Jakobus vor dem hl. Antonius. Das rechte Feld zeigt den hl. Nikolaus, der einem Bettler eine Münze gibt. Im Vierpassfenster ist die Szene der Verkündigung dargestellt.
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* Tremulant für Swell (Nr. 42)
* Tremulant für Swell (Nr. 42)
* Effektregister "Rain" (Nr. 43)
* Effektregister "Rain" (Nr. 43)
==Innenausstattung==
===Stillende Madonna aus dem 17. Jahrhundert===
In der Turmkapelle befindet sich ein kleiner Barockaltar, in dessen Nische das steinerne Bild einer thronenden, wuchtigen Madonna steht, die das Jesuskind stillt. Ihr dichtes, gelocktes Haar fällt ihr über die Schultern bis auf die Brust. Die Statue ist deshalb so wertvoll, weil es sich um eine um 1600 entstandene Madonna handelt, die ihrem Kind selbst die Brust gibt. Damals galt es als unschicklich, wenn eine Frau, die eine gewisse gesellschaftliche Stellung innehatte, ihr Kind selbst stillte. Diese „niedere Arbeit“ wurde meist von Ammen verrichtet.
Die Figur befand sich früher im Kreuzgang. Sie wurde 1981 restauriert und in der Turmkapelle aufgestellt. Der Altaraufsatz ist ein ehemaliger Seitenaltar der Orsfelder Kirche.
Vor dem Altar befindet sich das Chorgestühl der Grafen von Manderscheid-Kayl aus der Oberkailer Kirche.
===St. Matthias Figur aus dem Jahre 1789===
Ebenfalls in der Turmkapelle befindet sich die einfach gearbeitete steinerne Figur des Heiligen Matthias. Sie steht in einer halbrunden Muschelnische aus dem Jahr 1778. Figur und Nische waren in den Giebel der im 19. Jahrhundert profanierten Matthiaskapelle am Eingang zur Neugasse eingefügt.
Der neugotische Deckenleuchter stammt aus der Kirche in Steinborn.
===Steinerne Pieta aus dem 17. Jahrhundert===
Unter der Empore neben dem Treppenaufgang zur Orgelempore steht die ein dezenten Farben gefasste Darstellung der trauernden Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß.
===Empore aus dem Jahr 1775===
Die Orgel wurde wahrscheinlich direkt mit eingebaut. Die barocke Orgel wurde von den Gebrüdern Stumm aus Sulzbach erbaut. Die gesamte Empore und die Orgel wurden 1993/94 renoviert. Die Orgel erhielt eine neue mechanische Spieltraktur. Diese Arbeiten wurden von der Orgelbaufirma Reinhart Tzschöckel ausgeführt. Die Schleierbretter des Gehäuses wurden vergoldet und die seitlichen Brüstungen durch neue ersetzt.
Auf den Brüstungsfeldern (von links nach rechts):
Hl. Ambrosius, Hl. Cäcilia, Hl. Hildegard von Bingen, Papst Gregor der Große
An den Pfeiler der Empore befinden sich zwei Heiligenfiguren, [[1885]] vom Kyllburger Bildhauer [[Peter Quirin]] geschaffen: links der heilige Aloysius und rechts der heilige Hubertus.


== Literatur ==
== Literatur ==
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* Walter Pippke/Ida Leinberger: ''Die Eifel''. DuMont Buchverlag, 4. Auflage, Köln 2004, S. 290−293, ISBN 3-7701-3926-7
* Walter Pippke/Ida Leinberger: ''Die Eifel''. DuMont Buchverlag, 4. Auflage, Köln 2004, S. 290−293, ISBN 3-7701-3926-7
* Ernst Wackenroder: ''Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg.'' (Bearb.) (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 12. Band, I. Abt.), L. Schwann, Düsseldorf 1927, S. 133−155 (Unveränderter Nachdruck durch die Akademische Buchhandlung Interbook, Trier 1983, ISBN 3-88915-006-3)
* Ernst Wackenroder: ''Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg.'' (Bearb.) (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 12. Band, I. Abt.), L. Schwann, Düsseldorf 1927, S. 133−155 (Unveränderter Nachdruck durch die Akademische Buchhandlung Interbook, Trier 1983, ISBN 3-88915-006-3)
== Einzelnachweise ==
==Quellen==
<references />
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