Freiherr von Schawen

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Der Freiherr von Schawen ist eine Kunstfigur und närrisches Oberhaupt der Kyllburger Fastnacht. Er tritt stets als Dreigestirn mit Hanswurst und Schwarzem auf. Zu seiner sogenannten Schawenmannschaft gehören zusätzlich zwei Pagen. Seit wann genau der Freiherr von Schawen die Kyllburger Fastnacht begleitet ist nicht überliefert. Auf einem der ältesten Fotos von 1922 ist er schon zu sehen mit seinem Gefolge.

1922 - Karneval auf der Hochstraße
Der Freiherr von Schawen ist rechts auf einem Pferd zu sehen

Herkunft des Namens

Im Laufe der Jahre gab es immer wieder unterschiedliche Schreibweisen (Schowel, Scharwel, Scharwen, Schoawen). Die heute gebräuchliche ist "Freiherr von Schawen" oder auf Kyllburger Platt "Den Schoawen" [dn̩ ˈʃɔːvn̩]. Man nimmt an, dass der Name sich auf eine Flur im Kyllburger Bann Auf Scharret bezieht.

Mögliche Herleitung

Der Karneval, oder wie man hier sagt die Foasicht, hat in dem kleinen Eifelstädtchen Kyllburg eine lange Tradition. Man übernahm recht bald den Brauch der mittelalterlichen Mönche am Vorabend der Fastenzeit (Fast-Nacht = Nacht vor dem Fasten), gemeinsam zu feiern und noch einmal ausgiebig zu essen. Danach begann die Fastenzeit mit dem carnelevale, der Fleischwegnahme. Aus dem Mittelalter stammte auch der Brauch des Hahnenkampfs, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von den jungen Kyllburger Burschen veranstaltet wurde. Ende Januar fanden diese Kämpfe statt. Federn folgen, Blut floss, Anfeuerungsrufe peitschten den immer hitziger werdenden Kampf. Hahn um Hahn schied aus und am Ende blieb ein Sieger übrig. Der Besitzer des Federviehs wurde zum Hahnenkönig gekrönt. Der Hahnenkönig hatte weitreichende Rechte und einen eigenen Hofstaat. So durfte zum Beispiel niemand sprechen, ohne dass es der König erlaubt hätte.

Nach dem Kampf fanden ausgedehnte Feierlichkeiten statt, die ihren Höhepunkt zur Fastnacht hatten. Der Hahnenkampf war das Volksfest, an dem sich nicht nur die Jugend, sondern die gesamte Bevölkerung beteiligte.

Mit der französischen Revolution fand der Hahnenkampf ein jähes Ende und auch die Fastnacht kam fast zum Erliegen.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kam die rheinische Version des Karnevals nach Kyllburg und entwickelte hier ganz eigene Züge.

Bei der Leitfigur verzichtete man auf den üblichen Prinzen. Man griff die Idee des einstigen Hahnenkönigs auf, eines Bürgerlichen, der für einen gewissen Zeitraum die Rechte eines Adeligen erhält. Man benannte ihn nach einer Gemarkung im Kyllburger Umland – Freiherr von Schawen. An seiner Seite stehen zwei Figuren, die auch der Hahnenkönig schon in seinem Hofstaat hatte: Zum einen der Hanswurst, zuständig für die persönliche Belustigung des Freiherrn und zum anderen eine abgewandelte Version des einst königlichen Mundschenks, in seiner heutigen Form als persönlicher Diener, der Schwarze. Zum persönlichen Schutz zwei Pagen an die Seite gestellt.

Der Freiherr von Schawen mit seinem Gefolge ist heute fester Bestandteil jeder Kyllburger Fastnachtsveranstaltung und die Kyllburger sind stolz auf ihr außergewöhnliches Dreigestirn.

Aussehen

Der Freiherr wird in der Regel als Adeliger in barock anmutender Kleidung dargestellt. Er trägt einen schwarzen Dreispitz, weiße Handschuhe und einen roten Gehrock mit zugeknöpfter Weste, dazu schwarze Kniebundhosen und schwarze Schuhe mit Schnalle. Da jeder Freiherr sein Kostüm selbst wählt, sehen diese nie völlig gleich aus.

Aufgaben

Der Freiherr hat offiziell hauptsächlich repräsentative Aufgaben. Er ist an nahezu jeder Veranstaltung der KKG anwesend und hält üblicherweise jeweils eine kurze Rede. Lediglich an der Kappensitzung kann diese Rede auch etwas länger ausfallen.

Bei der Ankunft der Foasicht kommt er mit einem Boot die Kyll herunter gefahren und hält eine Antrittsrede. An den Kappensitzungen bekommt er, nach dem Elferrat, einen eigenen Einzug zu dem sich alle Besucher erheben. Bei seiner anschließenden Rede geht er üblicherweise satirisch auf das Vereinsgeschehen und örtliche Vorkommnisse ein. Bei der Kinderkappensitzung über nimmt der Kinderschawen die repräsentativen Aufgaben. Am Weiberdonnerstag ist der Schawen in der Regel nicht anwesend. Am Karnevalssonntag fährt der Freiherr mit Gefolge durch die Straßen der Stadt und lässt von seinem Hanswurst die Proklamation verlesen. Im Umzug ist der Freiherr stets die erste Wagengruppe. Bei der Verbrennung der Foasicht begkleitet der Freiherr die Foasicht bei ihrem letzten Gang um die Kyllbrücken und beendet mit einer Schlussrede die Fastnachtszeit.

Die bisherigen Freiherren

Dieser Abschnitt ist noch sehr lückenhaft. Wer Aufklärung leisten kann zur Zeit vor 1977 ist herzlich dazu eingeladen.

1955(?)-1963(?) ?-? 1977-1988 1989-1993
Josef Hollerbach
noch unbekannt
Heinz Dahm
Wolfgang Ohmstede
1994-2003 seit 2004
Reinhold Uhrmacher
Otmar Schiffmann